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Als sowjetische Truppen am 22. April 1945 Schloss Wiepersdorf besetzten, war Friedmund von Arnim, ein Urenkel des Dichterpaares, Eigentümer der Güter Zernikow, Wiepersdorf und Bärwalde. Mit seiner Frau Clara von Arnim, geborene von Hagens, und den sechs Kindern lebte die Familie vorwiegend in Zernikow. Friedmund von Arnim verstarb 1946 in sowjetischer Gefangenschaft, Alleinerbin wurde seine Frau Clara von Arnim. In Wiepersdorf lebte seit Ende der 1920er Jahre Friedmunds Mutter Agnes von Arnim geb. von Baumbach mit ihren Töchtern. In Berlin lebte die älteste, die Malerin Bettina Encke von Arnim, die 1943 nach Wiepersdorf übersiedelte. Sie initiierte eine Nutzung als Dichterheim, als Schloss Wiepersdorf 1945 von Zerstörung bedroht und von Plünderungen betroffen war. Die am 16. Juli 1946 in Potsdam gegründete Dichterstiftung e.V. übernahm das Haus. Bettina Encke von Arnim wurde bei ihrem Anliegen, Wiepersdorf als Dichterheim zu erhalten, von Dr. Iwan Katz unterstützt, der Mitglied des Berliner Magistrats war. Dem von den Nationalsozialisten verfolgten jüdischen und ehemaligen kommunistischen Reichstagsabgeordneten hatten Friedmund von Arnim, seine Schwester Bettina Encke und ihr Mann Walther Encke helfend zur Seite gestanden. Friedmund von Arnim versteckte Iwan Katz auf seinen Gütern und in seiner Zaunfabrik, wo er jedoch nicht den Konzentrationslagern entkam, die er überlebte. Nach der Enteignung ihrer Güter 1947 flüchtete die Familie von Arnim aus Zernikow und aus Wiepersdorf in den Westen Deutschlands.

 

Am 1. April 1953 übernahm der Deutsche Schriftstellerverband aufgrund einer Verordnung des DDR-Ministerrats Schloss Wiepersdorf. Zahlreiche Schriftsteller, bildende Künstler und Komponisten verbrachten seither in Wiepersdorf zeitlich begrenzte Arbeitsaufenthalte. Dafür bedurfte es einer Erlaubnis des Schriftstellerverbandes oder anderer kultureller Organisationen, die die offizielle Kulturpolitik der DDR vertraten. Am 4. April 1965 wurde das Haus in „Bettina von Arnim-Heim“ umbenannt.  

 

Viele Autoren ließen sich in Wiepersdorf von Bettine und Achim von Arnim und anderen Romantikern inspirieren. Sarah Kirsch schrieb hier ihren „Wiepersdorf-Zyklus“. Anna Seghers zog es in den 1950er und 1960er Jahren oft dorthin. Hier entstanden einige Erzählungen ihres Zyklus „Die Kraft des Schwachen“ und die Karibischen Novellen. In der DDR setzte seit Anfang der siebziger Jahre eine verstärkte Rückbesinnung auf die Romantik ein, repräsentiert vor allem von Franz Fühmann sowie Christa und Gerhard Wolf. Nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns am 16. November 1976, als die Repression des SED-Regimes einen neuen Höhepunkt erreichte, griffen viele Autoren Themen der freiheitsliebenden frühen deutschen Romantiker und ihrer Sehnsüchte auf. Ihr oft kritischer Umgang mit den Gesellschaften und den politischen Konstellationen vom Ende des achtzehnten bis in den Mitte des neunzehnten Jahrhunderts hinein wurde in den Werken zahlreicher DDR-Autoren und Künstler reflektiert. Darin drückte sich vielfach Kritik an den Zuständen im eigenen Staat aus.

 

Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten übernahm der Kulturfonds der DDR 1979 die Rechtsträgerschaft von Schloss Wiepersdorf. Am 10. Mai 1980 eröffnete Kulturminister Dr. Hans-Joachim Hoffmann das Haus als „Arbeits- und Erholungsstätte für Schriftsteller und Künstler Bettina von Arnim“. Die Kinderbuchautorin Christa Kožik hielt 1985 am Grab der Bettine von Arnim anlässlich ihres 200. Geburtstages eine Ansprache. Weitere Gäste in Wiepersdorf waren u.a. Eberhard Meckel, Peter Huchel, Volker Braun, Friedrich Dieckmann, Irmtraud Morgner, Thomas Rosenlöcher und Maxi Wander. Nach der Wende wurde Schloss Wiepersdorf als Künstlerhaus mit Aufenthaltsstipendien wiedereröffnet. Die aus dem Kulturfonds der DDR hervorgegangene Stiftung Kulturfonds war Trägerin und zugleich Geberin der meisten – auch internationalen - Stipendien. Nach 1992 waren u.a. Rüdiger Safranski, Marcel Beyer, Jurij Andruchowitsch und zweimal die Literaturnobelpreisträgerin 2015 aus Belarus Swetlana Alexijewitsch im Schloss Wiepersdorf zu Gast.

 

RTSymposium

 

Der Freundeskreis hat damit begonnen, die Zeit der DDR in Wiepersdorf aufzuarbeiten. Diskussion in der "Tankhalle" des Künstlerhauses im Oktober 2015 über die Wahrnehmung der Romantik in der Literatur der DDR-Zeit. V.l.n.r. Dr. Therese Hörnigk, Vorsitzende der Christa Wolf-Gesellschaft, Prof. Dr. Birgit Dahlke, Dr.Friederike Frach, Prof. Dr. Wolfgang Bunzel, Goethe-Haus Frankfurt, Rechts: Dr, Ralf Klausnitzer, Institut für Deutsche Literatur Berlin an der Humboldt Universität. 

 

In der Reihe des Freundeskreises erschien 2017 im Quintus-Verlag der von Friederike Frach und Norbert Baas herausgegebene Band "Die Blaue Blume in der DDR - Bezüge zur Romantik zwischen politischer Kontrolle und ästhetischem Eigensinn" mit Beiträgen von Friedrich Dieckmann, Maria Brosig, Therese Hörnigk, Christa Kozik, Wolfgang Bunzel, Frank Hörnigk, Monika Melchert, Birgit Dahlke, Ilse Nagelschmidt, Martin Jankowski, Annett Gröschner/Thomas Rosenlöcher, Norbert Baas, Friederike Frach, Ralf Klausnitzer, ISBN 978-3-947215-04-1

 

https://www.quintus-verlag.de

 

 

Ralf Klausnitzer

 

Bibliothek und Stipendiatentrakt

Vlnr: Bibliothek, Arbeitsräume, Zimmer für die Stipendiatinnen und Stipendiaten

 
 

Freundeskreis Schloss Wiepersdorf - Bettina und Achim von Arnim-Museum e.V.

Adresse im Raum Berlin-Brandenburg:
Bettina von Arnim-Straße 13
14913 Wiepersdorf
 
Offizielle Vereinsadresse:

c/o Goethe-Haus/ Freies Deutsches Hochstift

Großer Hirschgraben 23- 25

60331 Frankfurt am Main

 
 

Öffnungszeiten Museum:

 

Das Museum ist zwischen Februar und November geöffnet.
Wir bitten um Verständnis, dass Besuche und Führungen

während der laufenden Renovierungsarbeiten des Schlosses

nur nach Voranmeldung möglich sind. 

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