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Freundeskreis Schloss Wiepersdorf – Bettina und Achim von Arnim e.V.

Association of Friends of Schloss Wiepersdorf

 

 

Was geschah 1945?

 

Als sowjetische Truppen am 22. April 1945 Schloss Wiepersdorf besetzten, war Friedmund von Arnim, ein Urenkel des Dichterpaares, Eigentümer der Güter Zernikow, Wiepersdorf und Bärwalde. Mit seiner Frau Clara von Arnim, geborene von Hagens, und den sechs Kindern lebte die Familie vorwiegend in Zernikow. Friedmund von Arnim verstarb 1946 in sowjetischer Gefangenschaft

 

 

Friedmund von ArnimFriedmund Freiherr von Arnim, verst. 1946

 

Clara von Arnim

Clara Freifrau von Arnim geb. von Hagens. verst. 2006

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bettina EnckeBettina Encke von Arnim, Porträt von Ludwig von Streitenfeld,

Bildrechte: Kulurstiftung Schloss Wiepersdorf

In Wiepersdorf lebte seit 1930 Agnes von Arnim geb. von Baumbach, die Mutter Friedmunds, mit ihren Töchtern. 1943 war die älteste, die Malerin Bettina Encke von Arnim, aus dem von Bombardierungen betroffenen Berlin nach Wiepersdorf gezogen. Ihre Erinnerungen daran hat sie festgehalten: Bettina Encke Schicksal Wiepersdorf 1945 (copyright: Bettina v Arnim, Frankreich. über Freundeskreis).

 

Zu den Gästen in Wiepersdorf zählte u.a. der Bauhauskünstler Fritz Kuhr, der ab 1933/34 Diffamierungen ausgesetzt war und als entartet gebrandmarkt wurde. Er war mit den Familien von Arnim und Encke befreundet. Mit der Malerin Bettina Encke teilte er sich in Berlin ein Atelier. 1899 in Lüttich geboren, studierte Kuhr am Staatlichen Bauhaus in Weimar, seit 1925 in Dessau. Moholy-Nagy, Klee und Kandinski zählten zu seinen Lehrern. Viele Bilder Fritz Kuhrs entstanden in Wiepersdorf.

 

Schloss Wiepersdorf war 1945 nach dem Einmarsch der Sowjets von Zerstörung bedroht und von Plünderungen betroffen. Ein MItarbeiter des Gutes wurde erschossen, weil man ihn für den Eigentümer hielt. In dieser schwierigen Siutuation initiierte Bettina Encke eine Nutzung als Dichterheim, unterstützt von Dr. Iwan Katz, der Mitglied des Berliner Magistrats war. Dem von den Nationalsozialisten verfolgten ehemaligen kommunistischen Reichstagsabgeordneten jüdischen Glaubens hatten Friedmund von Arnim, seine Schwester Bettina Encke und ihr Mann Walther Encke helfend zur Seite gestanden. Friedmund versteckte Iwan Katz auf seinen Gütern und in seiner Zaunfabrik. Katz entkam jedoch nicht den Konzentrationslagern, die er überlebte. Am 6. November 1946 wurde die Deutsche Dichterstiftung in Potsdam gegründet und führte das Haus. Unterstützend wirkte auch der Vater Clara von Arnims, Walter von Hagens, der ebenfalls Mitglied des Berliner Magistrats war. Auch Anna Seghers setzte sich nach Zeitzeugenberichten für die Nutzung von Schloss Wiepersdorf als Dichterstiftung ein.

 

1947 wurden die Friedmund von Arnim gehörenden Güter Wiepersdorf, Zernikow und Bärwalde enteignet. Die Familie von Arnim flüchtete aus Zernikow und aus Wiepersdorf in den Westen Deutschlands,

 

Schloss Wiepersdorf wird 1953 Dichterheim, ab 1965 trägt es den Namen Bettina von Arnims

 

 

Sarah KirschSarah Kirsch

 

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Anna Seghers  

 

Am 1. April 1953 übernahm der Deutsche Schriftstellerverband aufgrund ener Verordnung des DDR-Ministerrats Schloss Wiepersdorf. AutorInnen, bildende KünstlerInnen und Komponisten verbrachten seither in Wiepersdorf zeitlich begrenzte Arbeitsaufenthalte. Dazu bedurfte es einer Erlaubnis des Schriftstellerverbandes oder anderer kultureller Organisationen, die die offizielle Kulturpolitik der DDR repräsentierten.  Am 4. April 1965 wurde das Haus  in "Bettina von Arnim-Heim" umbenannt. Viele Autoren setzten sich in Wiepersdorf mit Bettine und Achim von Arnim sowie anderen Romantikern auseinander, einige liessen sich inspirieren. Sarah Kirsch schrieb hier ihren "Wiepersdorf-Zyklus".

 

Anna Seghers zog es in den 1950er und 1960er Jahren oft nach Wiepersdorf. Hier entstanden einige Erzählungen ihres Zyklus „Die Kraft des Schwachen“ und die Karibischen Novellen. In der DDR setzte seit Anfang der siebziger Jahre eine verstärkte Rückbesinnung auf die Romantik ein, repräsentiert vor allem von Franz Fühmann sowie Christa und Gerhard Wolf. Nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns am 16. November 1976, als die Repression des SED-Regimes einen neuen Höhepunkt erreichte, griffen viele Autoren und Autorinnen Themen der freiheitsliebenden frühen deutschen Romantiker und ihrer Sehnsüchte auf. Ihr oft kritischer Umgang mit den Gesellschaften und den politischen Konstellationen vom Ende des achtzehnten bis zur  Mitte des neunzehnten Jahrhunderts wurde in den Werken zahlreicher DDR-Autoren und Künstler reflektiert. Darin drückte sich vielfach Kritik an den Zuständen im eigenen Staat aus. Bettina von Arnim bot aufgrund ihrer Forderungen nach sozialer Gerechtigkeit und ihrer Unterstützung der Revolution von 1848 eine wichtige Identifikation.

 

Nach umfangreichen Renovierungsarbeiten übernahm der Kulturfonds der DDR 1979 die Rechtsträgerschaft von Schloss Wiepersdorf. Am 10. Mai 1980 eröffnete Kulturminister Dr. Hans-Joachim Hoffmann das Haus als „Arbeits- und Erholungsstätte für Schriftsteller und Künstler Bettina von Arnim“. Die Kinderbuchautorin Christa Kožik hielt 1985 am Grab der Bettine von Arnim anlässlich ihres 200. Geburtstages eine Ansprache. Weitere Gäste in Wiepersdorf waren u.a. Eberhard Meckel, Peter Huchel, Volker Braun, Friedrich Dieckmann, Irmtraud Morgner, Thomas Rosenlöcher und Maxi Wander.

 

Wie ging es nach der Wiedervereinigung weiter?

 

Nach der Wende wurde Schloss Wiepersdorf als Künstlerhaus mit Aufenthaltsstipendien wiedereröffnet. Die aus dem Kulturfonds der DDR hervorgegangene Stiftung Kulturfonds war Trägerin und zugleich Geberin der meisten – auch internationalen - Stipendien. Nach 1992 waren u.a. Rüdiger Safranski, Marcel Beyer, Jurij Andruchowitsch und zweimal die Literaturnobelpreisträgerin 2015 aus Belarus Swetlana Alexijewitsch im Schloss Wiepersdorf zu Gast.

 

Die positive Entwicklung wurde erleichtert, nachdem Clara von Arnim 1998 ihren Rückübertragungsantrag zu Gunsten des Landes Brandenburg und im Interesse der Öffentlichkeit widerrufen hatte. Davon betroffen war auch der literarische Nachlass Achim und Bettina von Arnims, der in der Stiftung Klassik Weimar zugänglich ist.

 

Im Oktober 2015 versammelt der Freundeskreis Stimmen zur Rolle der Romantik in der DDR

Auf Initiative des Freundeskreises fand in Zusammenarbeit mit dem Künsterhaus vom 23.-24. Oktober 2015 in Wiepersdorf ein zweitgäges Symposium statt über den "Perzeptionswandel der Romantik in der Literatur der DDR-Zeit - Projektionsräume zwischen ästhetischem Eigensinn und politischer Kontrolle"

 

Als Gäste nahmen teil u.a.  Frank Hörnigk unf Therese Hörnigk, Friedrich Dieckmann, Ralf Klausnitzer, Maria Brosig, Olivia Franke, Wolfgang Bunzel, Friederike Frach, Annett Gröschner, Christa Kozik, Birgt Dahlke, Thomas Rosenlöcher, Martin Jankowski, Friedrich Dieckmann, Ilse Nagelschmidt, sowie Anne Frechen und Norbert Baas

 

Auf der Grundlage der Beiträge zu dem Symposium erschien 2017 der von Friederike Frach und Norbert Baas herausgegebene Sammelband "Die Blaue Blume

in der DDR - Beiträge zur Romantik zwischen politischer Kontrolle und.ästhetschem Eigensinn, bestellbar beim Quintus - Verlag, Berlin:

 

www.quintus-verlag.de/Die-Blaue-Blume-in-der-DDR/978-3-947215-04-1

Hardcover, 224 Seiten

 

Band Blaue Blume